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Grundlagenforschung Herzkreislauf

 
  Kaliumsupplementation reduziert unabhängig vom Blutdruck die kardiale und renale Hypertrophie bei DOCA-Salz-Mäusen

Zusammenfassung
Es ist bekannt, dass eine hohe Natriumaufnahme einen negativen Einfluss auf den Blutdruck und das Auftreten von kardiovaskulären Komplikationen ausübt. Dementsprechend wird grosser Wert auf die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch Reduktion der Salzaufnahme gelegt. Allerdings gibt es auch substanzielle klinische und experimentelle Hinweise, dass Kaliummangel oder Hypokaliämie sowohl auf das kardiovaskuläre System als auch auf die Nieren einen negativen Einfluss hat und demzufolge zur Pathogenese der Hypertonie, des Schlaganfalls, der ventrikulären Arrhythmien sowie von Nierenschädigungen beiträgt. So konnte gezeigt werden, dass die «Dietary Approaches to Stop Hypertension (DASH)»-Ernährung, eine Ernährung mit einem niedrigen Natriumgehalt und einem hohen Anteil von kaliumhaltigen Nahrungsmitteln (Früchte und Gemüse), bei hypertensiven Patienten den Blutdruck wirksam zu senken vermag, und sie wird nun bei Patienten mit Hypertonie oder anderen kardiovaskulären Risikofaktoren standardmässig als Lebensstiländerung empfohlen. Es konnte experimentell gezeigt werden, dass eine hohe Kaliumaufnahme den Blutdruck zu senken und das Risiko für zerebrovaskuläre Ereignisse zu reduzieren vermag. Allerdings sind die Wechselwirkungen zwischen Kalium, Blutdruck und kardialer sowie renaler Hypertrophie noch immer nur unvollständig verstanden.
In früheren Studien konnten wir zeigen, dass Mäuse, die eine salzreiche Ernährung und ein zur Natriumretention führendes Medikament (Mineralokortikoide) erhielten, selbst bei normalen Blutdruckwerten eine kardiale und renale Hypertrophie sowie eine schwere kardiale Dysfunktion entwickelten. Da diese Tiere auch eine durch das Mineralokortikoid und den Salzüberschuss verursachte Hypokaliämie und eine metabolische Alkalose entwickeln, haben wir untersucht, ob die Korrektur der Hypokaliämie durch eine Kaliumsupplementation mit der Ernährung die kardiale Hypertrophie, die kardiale Dysfunktion und die elektrokardiographischen Veränderungen bei diesen Mäusen verhindern würde. Unsere Resultate zeigen, dass die Korrektur der Hypokaliämie und der metabolischen Alkalose tatsächlich die Entwicklung einer kardialen Hypertrophie verhindert und die Herzfunktion sowie die elektrokardiographischen (EKG) Veränderungen normalisiert, ohne dabei den Blutdruck zu beeinflussen. Der Einfluss der Korrektur der Hypokaliämie auf das Herz war dabei etwas grösser als auf die Nieren.
Demnach liefern unsere Resultate zusätzliche Hinweise dafür, dass Kalium bei der Regulation der Herzfunktion eine wichtige Rolle spielt und dass eine Hypokaliämie vermieden werden sollte, um die Entwicklung einer kardialen Dysfunktion zu verhindern. Ausserdem haben unsere Resultate erstmals gezeigt, dass Kalium die Herzfunktion unabhängig vom Blutdruck beeinflusst.

Bedeutung der Arbeit
Die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch Verwendung von nicht-pharmakologischen Ansätzen hat bislang vor allem die Rolle von Natrium und die Wichtigkeit einer Reduktion der Salzaufnahme betont. Demgegenüber wurden bis anhin nur geringe Anstrengungen unternommen, um Kalium als günstigen Faktor hervor zu heben. Die Resultate unserer Forschung zeigen, dass die Kaliumsupplementation bei Tieren mit einem niedrigen Serumkaliumspiegel (Hypokaliämie) und einer hohen Natriumaufnahme – was dem typischen Profil der Nahrungsaufnahme in den entwickelten Ländern entspricht – einen erheblichen Einfluss auf die Herzfunktion ausübt und die Entwicklung einer kardialen Hypertrophie und einer ventrikulären Dysfunktion verhindern kann. Diese Beobachtung ist für die zukünftige Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen hoch signifikant. Tatsächlich ist die Hypokaliämie eine sehr häufige Komplikation der diuretischen Therapie, welche die Basistherapie der Hypertonie und der Herzerkrankungen ist. Unsere Daten zeigen nicht nur, dass die Hypokaliämie per se einen vom Blutdruck unabhängigen schädigenden Einfluss auf die Herz- und Nierenfunktion ausübt, sondern sie zeigen auch, dass die Korrektur der Hypokaliämie durch Kaliumsupplementation einen äusserst günstigen Einfluss hat.

Wang Q, Domenighetti AA, Pedrazzini T, Burnier M. Potassium supplementation reduces cardiac and renal hypertrophy independently of blood pressure in DOCA/salt mice. Hypertension 2005;46:559-566.
E-Mail: Qing.Wang@chuv.ch; domenigo@yahoo.com
 
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