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Klinische Forschung Herzkreislauf
Elektrokardiographischer Algorithmus zum Nachweis des Verlustes der linksventrikulären Stimulation bei der kardialen Resynchronisationstherapie
Zusammenfassung
Die kardiale Resynchronisationstherapie ist eine vielversprechende neue Methode zur Verbesserung der Herzinsuffizienz bei Patienten mit schwer eingeschränkter linksventrikulärer Pumpfunktion, Linksschenkelblock im EKG und symptomatischer Herzinsuffizienz NYHA III-IV, trotz ausgebauter medikamentöser Therapie. Die Resynchronisationstherapie verbessert bei diesen Patienten die Leistungsfähigkeit, deren Lebensqualität und führt zu einer reduzierten Mortalität. Einigen dieser Patienten kann dadurch auch die Notwendigkeit einer Herztransplantation erspart werden. Die Grundidee der Resynchronisationstherapie besteht darin, Patienten, bei denen die linke Herzkammer asynchron schlägt, einen biventrikulären Herzschrittmacher zu implantieren, der die rechte wie auch die linke Herzkammer gleichzeitig, d.h. synchron, stimuliert. Entgegen der ausschliesslichen Platzierung einer Elektrode in der rechten Herzkammer, wie bei "normalen Herzschrittmachern", ist die korrekte Platzierung der linksventrikulären Elektrode technisch schwieriger, da diese über eine Vene (Sinus coronarius) an die freie Wand der linken Herzkammer vorgeschoben werden muss und dort aufgrund des dünnen Venensystems nicht aktiv verankert werden kann. Dies kann dazu führen, dass die linksventrikuläre Elektrode disloziert. Zudem kann es im zeitlichen Verlauf durch Mikrodislokationen auch zu einer Erhöhung der Reizschwelle des linken Ventrikels kommen, wodurch die synchrone biventrikuläre Stimulation gestört werden kann. Dies wiederum führt bei den betroffenen Patienten zu einer oft reinen rechtsventrikulären Stimulation und zu einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz mit klinischen Beschwerden. Programmiergeräte für Herzschrittmacher sind teuer und deshalb nicht in jeder kardiologischen Praxis vorhanden. Für den behandelnden Arzt ohne Programmiergerät war es bisher kaum möglich zu beurteilen, ob der biventrikuläre Schrittmacher korrekt funktioniert. Mit einem einfachen Algorithmus, der ausschliesslich die EKG Ableitungen I und V1 berücksichtigt, haben wir eine Methode entwickelt, mit der nachbehandelnde Ärzte bei ihren Patienten mit Resynchronisationstherapie mit hoher Sensitivität und Spezifität feststellen können, ob das biventrikuläre Schrittmachersystem korrekt funktioniert. Der Algorithmus funktioniert folgendermassen: Ist in der Ableitung V1 die Ratio zwischen R und S Zacke grösser oder gleich 1, findet sich eine korrekte biventrikuläre Stimulation. Ist der Wert kleiner 1 muss die Ableitung I analysiert werden. Findet sich in der Ableitung I eine R/S Ratio, die kleiner oder gleich 1 ist, so handelt es sich wiederum um korrektes biventrikuläres Pacing. Wenn wir diesen Algorithmus korrekt anwenden, finden wir eine Sensitivität von 93% (95% CI 0.821-0.979) sowie eine Spezifität von 94% (95% CI 0.846-0.988), um den Verlust des linksventrikulären Pacings vorauszusagen. Der positive prädiktive Wert (PPW) beträgt 94% (95% CI 0.843-0.988), der negative prädiktive Wert (NPP) 93% (95% CI 0.824-0.979). Der Algorithmus gilt ausschliesslich bei Patienten mit vorbestehendem Linksschenkelblock und Platzierung der rechtsventrikulären Elektrode im Apex des rechten Ventrikels.
Bedeutung der Arbeit
Patienten mit Linksschenkelblock, schwer eingeschränkter linksventrikulärer Funktion und Anstrengungsdyspnoe NYHA III-IV trotz ausgebauter medikamentöser Therapie sind häufig und werden in den nächsten Jahren wegen der Zunahme der Alterspyramide in den meisten Industrienationen häufiger. Biventrikuläre Schrittmacher können bei diesen Patienten sowohl die Lebensqualität als auch deren Leistung verbessern. Zudem Senken diese Geräte die Mortalität dieser Patienten. Biventrikuläre Schrittmacher können nur mit speziellen, teuren Programmiergeräten in dafür eingerichteten Zentren kontrolliert werden. Viele dieser Patienten werden jedoch von Kardiologen oder anderen Ärzten ohne Programmiergeräte betreffend ihrer Herzinsuffizienz betreut. Mit unserem Algorithmus ist es diesen Ärzten durch ein einfaches Oberflächen-EKG nun jederzeit möglich zu erkennen, ob der biventrikuläre Schrittmacher korrekt, d.h. biventrikulär, stimuliert. Dies ist insbesondere dann von grosser Bedeutung, wenn es während des Krankheitsverlaufes zu einer unklaren Verschlechterung der Herzinsuffizienz kommt.
Ammann P, Sticherling Chr, Kalusche D, Eckstein J, Bernheim A, Schaer B, Osswald S. An Electrocardiogram-Based Algorithm To Detect Loss of Left Ventricular Capture during Cardiac Resynchronization Therapy. Ann Int Med 2005;142:968-973
E-Mail:
peter.ammann@kssg.ch
;
csticherling@uhbs.ch
Elektrokardiographischer Algorithmus zum Nachweis des Verlustes der linksventrikulären Stimulation bei der kardialen Resynchronisationstherapie
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