Enge Beziehung zwischen Wahrnehmung der Umwelt und Nervenverknüpfungen im Gehirn

Bereich: Grundlagenforschung Neurowissenschaften

Prof. Dr. med. Egbert Welker
Lausanne
Dr. Gilles Bronchti,
Lausanne
Prof. Dr. Pal E. Neumann
Canada

Welker E, Neumann P, Armstrong-James M, Bronchti G, et al. Altered sensory processing in the somatosensory cortex of the mouse mutant barrelless.
Science. 1996; 271:1864-7

Das zentrale Nervensystem (ZNS) von Mensch und Tier ist in der Lage, über die Sinnesorgane ein Bild der äusseren Umgebung zu zeichnen. Die Haut beispielsweise leitet Berührungsreize über Nervenbahnen zum ZNS und aktiviert so den Bereich der Hirnrinde, der für Körpersensibilität zuständig ist (somatosensorische Rinde). Sehen aktiviert die Sehrinde und Hören die Hörrinde. Durch Umsetzung der Informationen im Gehirn entsteht schliesslich ein Bild der äusseren Umgebung.

Prof. Dr. Egbert Welker und Dr. Gilles Bronchti, beide Anatomisches Institut der Universität Lausanne und Dr. Paul Neumann, Department of Anatomy & Neurobiology, Dalhousie University Halifax, Nova Scotia, Canada, machten eine wichtige Beobachtung an natürlich mutierten Mäusen. Diesen Mäusen fehlten genetisch bedingt bestimmte Nervenzellkörper auf der Hirnrinde, sogenannte Barrels, welche normalerweise ihre Informationen von den Schnurrhaaren erhalten. Das Besondere an diesen Mäusen ist, dass im Gegensatz zu normalen Mäusen die Rindenneuronen der Barralless-Maus nicht unterscheiden können, von welchem Schnurrhaar die Information kommt. Dieser Verlust an räumlicher Unterscheidungsfähigkeit müsste massive Auswirkungen auf ihre Wahrnehmung der Umgebung durch die Schnurrhaare haben.

Diese Ergebnisse des Tiermodells sind ein Hinweis, dass genetisch bedingte Veränderungen im Nervennetzwerk eines Individuums zu unterschiedlichen Wahrnehmungen der Umwelt führen können, und stellen ein mögliches Modell für pathogene Mechanismen bei Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems dar.

 

Die Forschungsarbeit
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