Wie erkennen Autoantikörper intrazelluläres Antigen

Bereich: Klinische Forschung Rheumatologie, Immunologie

Dr. med. Christoph Hess
Zürich

Einleitung
Lebensbedrohliche Infekte sind insgesamt seltene Ereignisse, weil unser Immunsystem täglich unzählige Mal richtig (re)agiert. Im Verhältnis zur Menge adaequater (Re)aktionen des Immunsystems sind klinisch relevante "Fehlschaltungen" eine Rarität. Fehlschaltungen, bei welchen nicht "Fremd" sondern "Selbst" angegriffen wird, führen zu sogenannten Autoimmunerkrankungen.
Autoimmunerkrankungen sind eine heterogene Krankheitsgruppe. Jedes Organsystem kann betroffen sein. Als mögliche Ursachen werden u.a. genetische Faktoren, Infekte und Umwelteinflüsse diskutiert.

Antikörper
Ein Endprodukt immunologischer Reaktionen sind Antikörper. Antikörper sind Proteine (Eiweisskörper) welche gegen eine bestimmte Struktur gerichtet sind, d.h. eine bestimmte Struktur (Antigen) spezifisch erkennen und binden.
Im Rahmen einer Infektion binden Antikörper eindringende Erreger und ermöglichen so deren gezieltes Abtöten. Liegen Erreger jedoch intrazellulär vor, sind sie vor dem Zugriff durch Antikörper geschützt, da Antikörper nicht in Zellen eindringen können.
Analog zu Infektionen können Antikörper welche im Rahmen einer Autoimmunerkrankung gebildet werden (sog. Autoantikörper) nur dann autodestruktiv wirken, wenn sie Zugang zu jener Struktur haben gegen welche sie gerichtet sind. Dies trifft bei einigen Autoimmunerkrankungen offensichtlich zu, da Autoantikörper gegen lösliche Proteine oder Bestandteile der Gefässwand gebildet werden. Bei anderen Autoimmunerkrankungen werden Autoantikörper gegen Zellkernbestanteile gebildet, welche normalerweise dem Autoantikörper nicht zugänglich sind. Autoantikörper werden hier eher als Epiphänomen der Krankheit gewertet und als Aktivitäts -und Verlaufsparameter genutzt (e.g. Systemischer Lupus Erythematosus).

Die Forschungsarbeit
Die Gruppe autoimmuner Gefässentzündungen, welche Thema unserer Arbeit ist, nimmt eine Zwischenstellung ein: Die Proteine gegen welche Autoantikörper gebildet werden, liegen normalerweise für Antikörper unerreichbar im Zellinnern von Abwehrzellen vor, werden jedoch beispielsweise im Rahmen eines grippalen Infektes auf der Zelloberfläche der Abwehrzellen exprimiert. Man weiss, dass die Bindung der Autoantikörper an diese auf der Zelloberfläche exprimierten Proteine die Aktivierung der Zelle bewirkt. Potentiell autodestruktive Substanzen werden dann gebildet und ausgeschüttet. Bei einer Zellaktivierung werden auch Zielproteine der Autoantikörper in löslicher Form freigesetzt.
In unserer Arbeit konnten wir zeigen, dass bestimmte Zielproteine dieser Autoantikörper sich nach Freisetzung selektiv an die Zelloberfläche nicht aktivierter Entzündungszellen binden. Dadurch binden und aktivieren Autoantikörper passiv beladene Entzündungszellen.

Die Bedeutung der Arbeit
Die Erkenntnis, dass sich bestimmte Zielproteine von Autoantikörpern infektionsähnlich ausbreiten können, ist von zweierlei möglicher Bedeutung. Einerseits hilft sie die Klinik und Pathophysiologie dieser Gruppe von autoimmunen Gefässentzündungen differenzierter zu betrachten. Andererseits resultieren neue Therapieansätze. Beispielsweise weiss man, dass ein routinemässig verwendetes Blutverdünnungsmittel (Heparin) jenes freigesetzte Zielprotein, welches sich auf ruhenden Zellen ablagert, mit hoher Affinität bindet. Entsprechend könnte die Verabreichung von Heparin diese Bindung an "innocent bystander" Zellen möglicherweise verhindern.

Hess C, Sadallah S, Schifferli J-A
Induction of neutrophil-responsiveness to myeloperoxidase-antibodies by their exposure to supernatant of degranulated autologous neutrophils

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Die Forschungsarbeit
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